Wiese liest SMS während des Länderspiels

 

 Die 2. Halbzeit beim 2:2 gegen die Elfenbeinküste. Nationaltorwart Tim Wiese (27/spielte die ersten 45 Minuten) sitzt auf der Bank, zieht sein Handy aus der Tasche – und liest eine SMS auf seinem iPhone!

Das hat sich noch nicht mal in der Bundesliga jemand getraut!

Als BILD den Bremer Torhüter gestern darauf anspricht, erklärt er den Vorgang. Wiese: „Ich bin in der Pause gleich unter die Dusche gegangen und habe mir dann meine Trainingsjacke übergezogen. Ich habe erst gar nicht gemerkt, dass mein Handy in der Tasche steckt. Dann hab‘ ich es rausgezogen und geschaut, ob mir jemand eine SMS geschrieben hat.“

Ziemlich gedankenlos!

Neben Wiese liegt das Trikot von Robert Enke, das Michael Ballack vor dem Anpfiff zum Gedenken auf die Bank gelegt hatte.

Joachim Löw hatte von Wieses SMS-Leserei gar nichts mitbekommen. Aber wie findet er das? Löw: „Es gibt keinen Verhaltenskodex bei uns. Aber ich gehe eigentlich davon aus, dass sich niemand mit dem Handy auf die Bank setzt. Wir werden das wohl beim nächsten Länderspiel noch mal besprechen müssen.“ Konsequenzen drohen Wiese allerdings nicht.

Eine bessere Figur gab Wiese auf dem Rasen ab. 45 Minuten lang hielt er fehlerlos, wurde dann von Manuel Neuer abgelöst. Der verschuldete das erste Gegentor.

credit: bild.de 

 

1 Kommentar 20.11.09 08:19, kommentieren

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Abschiedsgruß an Robert Enke:

Vor dem Länderspiel heute (ab 20.45 Uhr, live in der ARD) gegen die Elfenbeinküste in Gelsenkirchen verabschiedet sich die Nationalmannschaft mit bewegenden Worten vom verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke.

Lieber Robert,

es ist nicht leicht, heute Abend die Fußballschuhe anzuziehen, raus zu gehen auf den Rasen, 90 Minuten das zu tun, was Du so sehr geliebt hast. Dein Tod ist für uns immer noch allgegenwärtig. Er hat uns alle sprachlos gemacht, fassungslos, hilflos. Wir waren wie gelähmt, als wir die unerträgliche Nachricht bekommen haben. Wir waren nicht in der Lage, unsere Trauer in Worte zu fassen. Wir waren nicht in der Lage, ein paar Tage später Fußball zu spielen. Wir konnten nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Wir alle brauchten diesen Moment der Ruhe, um zu realisieren, was passiert ist. Richtig verstehen werden wir es vielleicht nie.

Wir haben lange zusammengesessen und an Dich gedacht. Wir haben zusammen geschwiegen, zusammen geweint und zusammen nach Antworten gesucht, aber eigentlich immer nur neue Fragen gefunden. Quälende Fragen nach dem Warum. Warum konnten wir Dir nicht helfen? Warum konntest und wolltest Du uns nicht von Deinen Problemen erzählen? Warum ist es in unserem Leistungssport, in unserer Leistungsgesellschaft nicht möglich, Angst und Krankheit auszusprechen?

Es ist für uns alle ein schmerzhafter Gedanke, dass Du Dich einsam und allein gefühlt haben musst, auch wenn Du mit uns zusammen warst. Dass Du so oft das Gefühl gehabt haben musst, viel mehr verlieren zu können als nur ein Fußballspiel. Dass für Dich so viel mehr auf dem Spiel stand als für jeden anderen von uns. Dein Tod ist so trostlos. Aber wir werden alles dafür tun, in Deinem Sinn weiterzumachen, guten Fußball zu spielen, erfolgreich zu sein. Und uns dafür einzusetzen, dass Vorurteile und Stigmatisierungen im Fußball keinen Platz haben.

Du wirst uns fehlen. Auf dem Weg ins Stadion, in der Kabine, im Strafraum. Du wirst uns fehlen, weil Du ein außergewöhnlicher Torhüter warst. Aber noch vielmehr, weil Du ein bemerkenswerter Mensch warst. Wir spielen heute für Deutschland, wir spielen für die Fans. Aber wir spielen vor allem für Dich. Für einen guten Freund, durch dessen Tod wir alle noch ein Stückchen näher zusammengerückt sind.

Wir sind ein Team. Und Du wirst immer ein Teil dieses Teams bleiben.

Deine Nationalmannschaft

1 Kommentar 18.11.09 17:33, kommentieren